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Kulturdetektivin auf Spurensuche

«Die Schönau ist ein Ort, an dem Geschichte lebt», schwärmt Claudia Fischer-Karrer. Als Kulturdetektivin sucht sie nach Spuren der Vergangenheit im Zürcher Oberland und geht mit Interessierten auf Entdeckungsreise durch Wetzikon – unter anderem auch auf die Schönau am Aabach. «Ein Vorzeigeobjekt der vielen Fabriken, die im 19. Jahrhundert am «Millionenbach» entstanden», findet die Historikerin. «Damals tobte ein ständiger Kampf um jeden Tropfen Wasser für die Turbinen der Industrieanlagen. Spinner-König Heinrich Kunz war dafür bekannt, den Müllern in Uster in Nacht- und Nebelaktionen das Wasser abzugraben. Diesem Konkurrenzkampf verdanken wir die vielfältige Industrielandschaft am Aabach. Jeder Fabrikant gestaltete seine Rückhaltebecken und Kanäle anders. Da gabs Wasserfälle, Grotten, Inselchen und sogar Badehäuser. Die Weiher verschönerten den Park der Fabrikantenvillen.»

Wahrzeichen Schönau

Der Pionier- und Unternehmergeist jener Zeit fasziniert Claudia Fischer-Karrer. «Die Fabrikanten liessen ihre Arbeiter unter härtesten Bedingungen schuften. Aber sie waren auch selbst Chrampfer.» Und ihre Fabriken sollten nach etwas aussehen. Dass die Spinnerei Schönau wie ein Schloss wirkt, kommt nicht von ungefähr. «Der Pariser Fabrikant Nagel baute sie nicht nur mit Steinen aus dem abgerissenen Turm des Wetziker Schlosses – er benutzte dafür auch dessen Grundrissplan.» So bekam Wetzikon mit der Spinnerei und ihrem Kamin ein neues Wahrzeichen. «Wer muss da noch ins Ausland reisen, wenn’s vor unserer Haustür soviel Kultur zu erleben gibt?», lacht Claudia Fischer-Karrer.

Historischen Wert erhalten

Darum liege ihr am Herzen, dass die Fabrik auf der Schönau erhalten bleibe. «Zum Glück war beim Architekturwettbewerb von Beginn weg die Denkmalpflege dabei. Das ist ein Geben und Nehmen», ist sie überzeugt. Es gelte ständig abzuwägen, wie man alte Gebäude neu nutzen könne, ohne ihren historischen Wert zu zerstören. «Ich bin mit dem Blick auf die Schönau aufgewachsen», erzählt die gebürtige Wetzikerin. Der Weg zur Schule und zur Grossmutter führte an der Fabrik vorbei. «Wir hätten als Kinder gerne auf der Wiese gespielt, doch das Gelände war damals privat.» Auch heute treffe man erstaunlich wenig Spaziergänger an. «Gäbs eine Beiz, wäre ich sicher auch öfters dort. Ich fände es toll, wenn auf der Schönau mehr Leben einkehrt, mit einem Kulturcafé, Ausstellungen oder Konzerten. Ein Ort eben, wo man sich gerne trifft.»

Kultudetektivin Spurensuche Wetzikon

Claudia Fischer-Karrer, Historikerin und Kunsthistorikerin, ist Mitglied der Kulturkommission Wetzikon, betreut als Mitglied des Vereins zur Erhaltung alter Handwerks- und Industrieanlagen den Industriepfad Zürcher Oberland und bietet als Kulturdetektivin Führungen in Wetzikon und der Region an.

 

 

Zwischennutzung der leer stehenden historischen Räume

Auf dem Schönau-Areal werden leer stehende Büro- und Gewerbeflächen ab August 2014 durch Projekt Interim zwischengenutzt.

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