Logo Schönau-Areal Wetzikon Schönau_Areal_Wetzikon_Kamin

Kulturdetektivin auf Spurensuche

«Die Schönau ist ein Ort, an dem Geschichte lebt», schwärmt Claudia Fischer-Karrer. Als Kulturdetektivin sucht sie nach Spuren der Vergangenheit im Zürcher Oberland und geht mit Interessierten auf Entdeckungsreise durch Wetzikon.

» Weiterlesen

Kulturort mit Strahlkraft gesucht!

«Wetzikon braucht einen zentralen und öffentlichen Kulturort mit regionaler Strahlkraft», ist Victor Pigagnelli überzeugt. Damit war die Idee eines städtischen Kulturhauses auf der Schönau geboren.

» Weiterlesen

«Kurator» des Areals

«Wer hier baut, muss vielen Ansprüchen gerecht werden: Die Geschichte des Ortes, die schöne Landschaft und der Denkmalschutz sind ebenso wichtig wie städtebauliche Aspekte und Fragen der Machbarkeit.» Lukas Fehr, Projektleiter.

» Weiterlesen

Standfester Riese

Rund 150 bis 200 Jahre alt ist die stattliche Hybridlinde im Park neben der Fabrikantenvilla auf der Schönau. Als stumme Zeugin hat sie Generationen von Textilarbeitern kommen und gehen sehen. Doch eine Zeitlang drohten die Tage des 1,7 Meter dicken Baumriesen gezählt zu sein.

» Weiterlesen

Kulturdetektivin auf Spurensuche

«Die Schönau ist ein Ort, an dem Geschichte lebt», schwärmt Claudia Fischer-Karrer. Als Kulturdetektivin sucht sie nach Spuren der Vergangenheit im Zürcher Oberland und geht mit Interessierten auf Entdeckungsreise durch Wetzikon – unter anderem auch auf die Schönau am Aabach. «Ein Vorzeigeobjekt der vielen Fabriken, die im 19. Jahrhundert am «Millionenbach» entstanden», findet die Historikerin. «Damals tobte ein ständiger Kampf um jeden Tropfen Wasser für die Turbinen der Industrieanlagen. Spinner-König Heinrich Kunz war dafür bekannt, den Müllern in Uster in Nacht- und Nebelaktionen das Wasser abzugraben. Diesem Konkurrenzkampf verdanken wir die vielfältige Industrielandschaft am Aabach. Jeder Fabrikant gestaltete seine Rückhaltebecken und Kanäle anders. Da gabs Wasserfälle, Grotten, Inselchen und sogar Badehäuser. Die Weiher verschönerten den Park der Fabrikantenvillen.»

Wahrzeichen Schönau

Der Pionier- und Unternehmergeist jener Zeit fasziniert Claudia Fischer-Karrer. «Die Fabrikanten liessen ihre Arbeiter unter härtesten Bedingungen schuften. Aber sie waren auch selbst Chrampfer.» Und ihre Fabriken sollten nach etwas aussehen. Dass die Spinnerei Schönau wie ein Schloss wirkt, kommt nicht von ungefähr. «Der Pariser Fabrikant Nagel baute sie nicht nur mit Steinen aus dem abgerissenen Turm des Wetziker Schlosses – er benutzte dafür auch dessen Grundrissplan.» So bekam Wetzikon mit der Spinnerei und ihrem Kamin ein neues Wahrzeichen. «Wer muss da noch ins Ausland reisen, wenn’s vor unserer Haustür soviel Kultur zu erleben gibt?», lacht Claudia Fischer-Karrer.

Historischen Wert erhalten

Darum liege ihr am Herzen, dass die Fabrik auf der Schönau erhalten bleibe. «Zum Glück war beim Architekturwettbewerb von Beginn weg die Denkmalpflege dabei. Das ist ein Geben und Nehmen», ist sie überzeugt. Es gelte ständig abzuwägen, wie man alte Gebäude neu nutzen könne, ohne ihren historischen Wert zu zerstören. «Ich bin mit dem Blick auf die Schönau aufgewachsen», erzählt die gebürtige Wetzikerin. Der Weg zur Schule und zur Grossmutter führte an der Fabrik vorbei. «Wir hätten als Kinder gerne auf der Wiese gespielt, doch das Gelände war damals privat.» Auch heute treffe man erstaunlich wenig Spaziergänger an. «Gäbs eine Beiz, wäre ich sicher auch öfters dort. Ich fände es toll, wenn auf der Schönau mehr Leben einkehrt, mit einem Kulturcafé, Ausstellungen oder Konzerten. Ein Ort eben, wo man sich gerne trifft.»

Kultudetektivin Spurensuche Wetzikon

Claudia Fischer-Karrer, Historikerin und Kunsthistorikerin, ist Mitglied der Kulturkommission Wetzikon, betreut als Mitglied des Vereins zur Erhaltung alter Handwerks- und Industrieanlagen den Industriepfad Zürcher Oberland und bietet als Kulturdetektivin Führungen in Wetzikon und der Region an.

 

 

Kulturort mit Strahlkraft gesucht!

«Als ich Mitglied der Kulturkommission wurde, dachte ich: Hier kannst du was bewirken und der Gemeinde etwas zurückgeben», erinnert sich Victor Pigagnelli, Inhaber des Unternehmens Interni Raumkonzept & Innenarchitektur. Ob die Aufwertung des Kulturpreises chapeau!wetzikon oder die Etablierung des Kulturplakates, welches regelmässig das Kulturangebot in Wetzikon aufzeigt – die Kommission hat in den letzten Jahren schon einiges bewegt. «Unser Anliegen ist es, mit Kultur einen Beitrag zur Attraktivität Wetzikons zu leisten – über die Grenzen der Stadt hinaus», meint Pigagnelli.

Vielfältiges Kulturangebot bündeln

Wetzikon biete ein vielfältiges Kulturleben, sei es Sofakust, camera.lit. obscura, Kulturfabrik, Scala oder Kultino. Doch ein übergeordnetes Programm gebe es nicht. «Wir versuchen, unsere Kulturschaffenden zu vernetzen und ihre Angebote besser aufeinander abzustimmen. So können wir die Mittel gezielter einsetzen und eine grössere regionale Wirkung erzielen», meint Pigagnelli. Dazu fehle aber eine sichtbare Anlaufstelle für Kultur mit der nötigen Infrastruktur. «Wetzikon braucht einen zentralen und öffentlichen Kulturort mit regionaler Strahlkraft», ist Victor Pigagnelli überzeugt. Die Idee eines städtischen Kulturhauses auf der Schönau war geboren.

Einmalige Chance nutzen

«Die alte Spinnerei am Weiher ist genau das, was wir suchen. Die Schönau hat das Potenzial, zusammen mit den bestehenden Wetziker Angeboten DIE Kulturmeile der Region zu werden», meint Raumkonzepter Pigagnelli. Die HIAG zeigte sich begeistert von der Idee und entwickelte das Projekt. Räumlichkeiten für Kunst und Kultur seien gesucht. Als «Artistic Residence» könnten im neuen Kulturhaus sowohl Wetziker wie auch externe Künstler temporär Foto- oder Bildkunst ausstellen, Tanzgruppen üben oder Konzerte stattfinden. Das sei keine Konkurrenz für die Wetziker Künstler, sondern eine echte Bereicherung für Stadt und Region – zumal die meisten hiesigen Kulturveranstalter fremd eingemietet sind und von einem zentralen Kulturort ebenfalls profitieren könnten. «Kommt das geplante Projekt nicht zustande, vergibt sich Wetzikon eine einmalige Chance, sowohl örtlich wie architektonisch», glaubt Pigagnelli. Und die Stadt müsste sich erneut auf die Suche nach einem passenden Ort für ein Kulturhaus machen. «Ich gestehe: Ich bin ungeduldig und wünschte mir von den Wetzikern etwas mehr Mut zur Vision», schmunzelt der engagierte Kulturförderer.

Victor_Pigagnelli_100x136

 

Victor Pigagnelli, Inhaber der Interni Raum-
konzept & Innenarchitektur, ist Mitglied der Wetziker Kulturkommission und Mitinitiator eines Kulturhauses in der alten Fabrik Schönau.

 

 

«Kurator» des Areals

«Ich bin ein leidenschaftlicher Bau-Fan», erzählt Lukas Fehr, Projektleiter bei der HIAG. «Grundstücke, Häuser, Gebäude und Siedlungen stecken voller Möglichkeiten. Das bringt mich mich auf Ideen.» Die Schönau hat ihn gleich von Beginn weg gepackt. Wer hier baut, muss vielen Ansprüchen gerecht werden: Die Geschichte des Ortes, die schöne Landschaft und der Denkmalschutz sind ebenso wichtig wie städtebauliche Aspekte und Fragen der Machbarkeit.

Blick fürs Ganze

«Die Schönau gibt vor, was hier entstehen kann. Genius loci nennen wir es im Baujargon – den Geist eines Ortes», weiss der erfahrene Architekt. Als Projektleiter trägt er entscheidend dazu bei, dass gute Architektur entsteht. «Mein Job ist der Blick fürs Ganze. Ich schaffe möglichst optimale Voraussetzungen – quasi als Kurator des Areals.» Fehr lobt, mit wie viel Respekt die beteiligten Architekten an ihre Aufgabe herangegangen sind, ihre Liebe zum Detail: «Ich bin stolz auf das, was wir hier gemeinsam entwickeln.

Das Projekt bringt viele spannende Begegnungen mit sich. Zum Beispiel mit dem Kantonsarchäologen. «Er hat den vermuteten Grabhügel im Park untersucht und mir seine Messgeräte erklärt. Seine Begeisterung hat richtig angesteckt. Er kam mir vor wie Indiana Jones», erzählt Lukas Fehr.

Ort zum Leben erwecken

Manche Anwohner wohnen oder arbeiten seit über 30 Jahren auf der Schönau. «Diese Leute erwecken den Ort für mich zum Leben», erklärt Fehr. Auch der Auseinandersetzung mit den Gegnern des Projekts weicht er nicht aus und besucht ihre Infoveranstaltungen. «In der Hitze des Gefechts spitzen sich die Dinge schon mal zu. Aber ich erlebe immer wieder, dass man trotzdem von Mensch zu Mensch reden kann. Schliesslich wollen wir etwas schaffen und nichts zerstören.»

«Wenn alte Areale erneuert und neu mit Leben gefüllt werden, dann führt dies oft zu Konflikten», ist Lukas Fehr überzeugt. «Es gibt Regeln, Vorgaben und verschiedene, oft widersprüchliche Bedürfnisse.» Zu seiner Aufgabe als Projektleiter gehört es auch, positiv mit den Widersprüchen umzugehen und die besten Lösungen zu finden, denn, so Fehr: «Am Ende müssen alle Komponenten stimmen.»

 

Lukas Fehr, ist Projektleiter bei der HIAG Immobilien, der Architekt ETH mit Zusatzausbildung in Immobilienwirtschaft war vor seiner Tätigkeit bei der HIAG 10 Jahre als Architekt tätig und sammelte bei Wüest und Partner Erfahrungen als Immobilienbewerter.

 

 

Standfester Riese

Rund 150 bis 200 Jahre alt ist die stattliche Hybridlinde – eine Kreuzung zwischen Winter- und Sommerlinde – im Park neben der Fabrikantenvilla auf der Schönau. Als stumme Zeugin hat sie Generationen von Textilarbeitern kommen und gehen sehen. Doch eine Zeitlang drohten die Tage des 1,7 Meter dicken Baumriesen gezählt zu sein. «Die Linde schien sich bedenklich in Richtung Hauptgebäude zu senken. Wir hatten Angst, sie aus Gründen der Sicherheit fällen zu müssen», erinnert sich Projektleiter Lukas Fehr. Auf Anraten des ortsansässigen Landschaftsarchitekten Marcel Fürer, der das denkmalpflegerische Gutachten für das Areal erstellte, wurde jedoch im Jahre 2012 eine Untersuchung angeordnet. Im Herbst 2012 machte sich der Baumpflegespezialist Thomas Hintze daran, die imposante Linde genauestens und mit viel Freude zu prüfen.

Bei der visuellen Begutachtung stellte Thomas Hintze einen Befall durch einen aggressiven, holzzersetzenden Baumpilz im Stammfussbereich fest. Nachfolgende Messungen zeigten zudem eine durch den Pilz verursachte Holzfäule. Um die aktuelle Stand- und Bruchsicherheit der Linde zu testen, beauftragte Thomas Hintze daher einen Baumstatiker, einen Zugversuch mit einem Seilzug vorzunehmen. Mit positivem Ergebnis: «Die alte Linde ist auch heute noch stabil genug, um einen Orkan der Windstärke 12 zu überstehen», freut sich Thomas Hintze. Um die Sicherheit der Arealbesucher noch mehr zu erhöhen und den Windwiderstand zu verkleinern, erhielt die Baumkrone 2013 Jahr einen partiellen, die Krone entlastenden Schnitt. Dynamische und starre Baumverankerungen sicherten zusätzlich die ausbruchgefährdeten Gabelungen. Zudem wird der Verlauf des Pilzbefalls und die Vitalität des Baumes regelmässig beobachtet. «Vermutlich überlebt uns dieser einzigartig schöne Baum alle», lächelt der engagierte Baumpfleger.

 

Thomas Hintze ist diplomierter Forstwart und Baumpflegespezialist mit eidgenössischem Fachausweis. Sein Unternehmen Robinia Baumpflege in Häuslenen setzt sich seit einigen Jahren für den Erhalt von Bäumen ein.

Zwischennutzung der leer stehenden historischen Räume

Auf dem Schönau-Areal werden leer stehende Büro- und Gewerbeflächen ab August 2014 durch Projekt Interim zwischengenutzt.

» News lesen

Wetz Sch 03 12 017